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25-Aug-2000

Meine Meinung

Zur Klärschlammablagerung

Melsa, K. Armin und und Hans Leser haben im abfall-brief 4/2000 den Beitrag "Umgang mit der Unvollkommenheit unseres Wissens - Oder: Ein nicht ganz wissenschaftlicher Beitrag zur Frage, ob die landwirtschaftliche Klärschlammnutzung verantwortbar ist?" veröffentlicht.

Das hat mich veranlaßt einen Leserbrief zu schreiben, der im abfall-brief 5/2000 Seite 12 veröffentlicht wurde. Mein Leserbrief ist nachstehend veröffentlicht:

Konfuzius beachten

Im abfall-brief 4/2000, Seite 8-9, haben Armin.K. Melsa und Hans Leser den Beitrag "Umgang mit der Unvollkommenheit unseres Wissens - Oder: Ein nicht ganz wissenschaftlicher Beitrag zur Frage, ob die landwirtschaftliche Klärschlammnutzung verantwortbar ist" veröffentlich. Der Hinweis, daß es sich um einen "nicht ganz wissenschaftlichen Beitrag" handele, war sicher nicht so zu verstehen, daß der Beitrag "nicht ganz ernst" genommen werden sollte. Deshalb dieser Leserbrief.

Die Autoren befürworten offensichtlich die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung und üben heftige Kritik an allen, die dagegen mehr oder weniger gute Argumente haben. Schade, daß die Autoren den Rat von Konfuzius nicht beherzigt haben: "Wenn du andere schlecht machst, wirst du dadurch selbst nicht besser". Ohne Zweifel ist die landwirtschaftliche Klärschlammnutzung eine Verteilung von Abfällen in der Landschaft, ja auf den besonders wertvollen landwirtschaftlich nutzbaren Böden. Da die Inhaltsstoffe des Abfalls Klärschlamm nur unvollkommen bekannt sind, und wenn sie bekannt sind, hinsichtlich ihrer langfristigen Auswirkungen nicht ausreichend zuverlässig bewertet werden können, galt es lange Zeit als richtig, Klärschlämme zu beseitigen: auf Klärschlamm-Monodeponien, auf Hausmülldeponien gemeinsam mit anderen Siedlungsabfällen oder in Abfallverbrennungsanlagen.

Die Klärschlammablagerung kam - zur Freude der Klärschlammverwerter - in die Kritik, weil man trotz der Deponieabdichtungen unten an der Basis und oben an der Deponieoberfläche nicht an die nachhaltige Umweltverträglichkeit dieser Deponien glauben mochte. An der Klärschlammverbrennung (in Abfallbeseitigungsanlagen) wird kritisiert, daß erhebliche, für die Gesundheit im engeren und die Umwelt im weiteren Sinne schädliche Emissionen auf dem Luftpfad auftreten können, deren Auswirkungen nicht zuverlässig zu bewerten seien. Die Autoren des hier kritisierten Beitrages schließen sich dieser Auffassung an. Sie polemisieren dagegen, daß als Voraussetzung für eine landwirtschaftliche Klärschlammnutzung "die absolute Gewissheit" hinsichtlich der Umweltauswirkungen verlangt wird, aber sie verlangen gerade diese "absolute Gewissheit" der Umweltunschädlichkeit von der Klärschlammverbrennung. Die Klärschlammdeponie wird erst gar nicht erwähnt, vermutlich, weil man sich der Auffassung anschließt, dass die Klärschlammablagerung "mono" oder "multi" sowieso höchstgefährlich sei.

Es wäre interessant, von den Autoren zu erfahren, wie sie den zwangsweisen Anschluss von Einzelgehöften an zentrale Kläranlagen beurteilen, wenn man den Landwirten danach gestattet, den Klärschlamm (vielleicht sogar den eigenen) auf ihren Feldern auszubringen? Es wäre auch interessant zu erfahren, warum Klärschlämme, die landwirtschaftlich genutzt werden, ökologisch und ökonomisch wertvoll sind, warum die Inhaltsstoffe bei der landwirtschaftlichen Nutzung so wertvoll sind, aber auf einer Deponie abgelagert, mittel- und langfristig ein nicht abschätzbares Gefahrenpotential darstellen. Der Einwand, daß bei der landwirtschaftlichen Nutzung die Grenzwerte der Klärschlammverordnung eingehalten werden, erscheint mir lächerlich. Oder glaubt jemand, dass die Über- oder Unterschreitung eines Grenzwertes um 5 % für die Bewertung der Umweltverträglichkeit wirklich entscheidend ist, außer für die Richter? Warum werden den Landwirten Gelder gezahlt, damit sie die Klärschlämme nutzen? Wenn sie den Klärschlamm wirklich für wertvoll hielten, würden sie doch zahlen, um ihn zu bekommen. Oder ist es eine Prämie, damit sie die Verwertungseuphorie der Umweltpolitiker und Umweltgruppen unterstützen?

Aber nicht alle Aussagen der Autoren sind zu kritisieren. So gilt z.B. die Feststellung: "Betreiber von Kläranlagen und Landwirte haben kein Verständnis für Theoretiker, die nur bei hundertprozentiger Sicherheit zu Entscheidungen kommen wollen, die faktischen Zwänge der Notwendigkeit des heutigen Handelns negieren und in Wirklichkeit ihre Aussagen, Meinungen und Forderungen nicht zu verantworten haben." auch für Deponiebetreiber und Betreiber von Abfallverbrennungsanlagen. Plädieren die Autoren für den freien Wettbewerb der verschiedensten Beseitigungs- und Verwertungsverfahren? Wieviel Klärschlämme würden dann noch landwirtschaftlich genutzt werden? Und auch die Aussage: "Die Stimmen, die nichts tun wollen, was mit Unwissenheit behaftet ist, entsprechen nicht dem wohl durchdachten Profil, das realisierbare Umweltziele und ihre Umsetzung definiert. Sie bringen uns nicht weiter auf dem Weg der Nachhaltigkeit." wird sicher von vielen unterstützt, die nicht unbedingt an die landwirtschaftliche Klärschlammnutzung denken. Gibt es den Königswert? Die Suche wird weitergehen. Aber dabei sollte der Rat von Konfuzius nicht vergessen werden: "Wenn du andere schlecht machst, wirst du selbst nicht besser".

Klaus Stief

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