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04-Jan-2015

Meine Meinung

Waste-to-Energy Auf geht's:
Holt Euch doch die Energy aus den Hausmülldeponien

| Diskussion im ehemaliegen FORUM von DeponieOnline |
1. Reaktion

Waste-to-Energy ist das neueste Modewort. Internationale Fachmessen & Konferenzen für Energie aus Abfall und Biomasse werden abgehalten (z.B. am 22. Sept. 2004 in Bremen), Fachzeitschriften sind voll von Veröffentlichungen oder Hinweisen wie wertvoll Abfall als Rohstoff ist und welches Energiepotential in den Abfällen steckt (z. B. in UmweltMagazin 2004, in VKS-News Sept. 2004, in Müll und Abfall ....).
Und es herrscht Erleichterung und Freude, daß durch die Ablagerungsverordnung und die Deponieverordnung endlich der Ablagerung (und damit der Verschwendung) dieser wertvollen Rohstoffe ein Ende bereitet wird - jedenfalls bei all denen, die nicht gerade Deponiebetreiber sind, und bei denen, die nicht in der Nähe einer Waste-to-Energy Anlage wohnen müssen.

Aber es treibt viele auch die große Sorge um, wie man die als teilweise sehr schwerwiegend bewerteten langfristigen Umweltgefahren, Stichworte: Treibhausgase und Grundwasserverunreinigungen aus Deponien, beherrschen könne. Die Abdichtung alter Deponien an der Oberfläche soll, so liest man immer wieder, alles noch schlimmer machen, weil die Probleme in ferne Jahrzehnte und Jahrhunderte verschoben werden. Außerdem ließen sich wirksame Oberflächenabdichtungen vielfach gar nicht herstellen, weil Setzungen des Deponiekörpers (die so verhängnisvollen Hauptsetzungen, auf die schon in der TA Siedlungsabfall in Nr. 11.2 Buchstabe h warnend hingewiesen wurde) auf unbestimmte Zeit die Abdichtungen an der Deponieoberfläche zerstören könnten. Und man nimmt auch - erstaunt - zur Kenntnis, daß es an Konzepten zur Nachnutzung endgültig stillgelegter Deponien, also von Deponien in der Nachsorgephase, offenbar mangelt. Windkrafträder und Solaranlagen werden als Notlösungen angeboten, was aber wohl sicher nicht  zu der Strategy von Waste-to-Energy gehört. Gibt es andere Lösungen? Ja!!

Man sollte den wichtigen Beitrag von Deponien zur alternativen Energiegewinnung mehr herausstellen. Die Deponiegasgewinnung und Deponiegasverwertung spielt schon heute eine nicht unbeträchtliche Rolle; wenn auch zu oft nur zur Imagepflege von Deponiebetreibern, wenn 10 oder auch 20 Jahren nach Beginn der Abfallablagerung auf ihren Deponien nun, im Jahre 2004, 11 Jahre nach Inkrafttreten der TA Siedlungsabfall, die Planung von Deponieentgasungs- und Deponiegasverwertungsanlagen in Auftrag geben (siehe dazu insbesondere TASI Anhang C). Gleichwohl, Deponiegas (übrigens auch ein Biogas) darf nicht unterschätzt werden.

Über eine viel durchgreifende Möglichkeit der Gewinnung von Rohstoffen und Energie aus Hausmülldeponien wird erstaunlicherweise bisher nicht öffentlich gesprochen, ja nicht einmal diskutiert: Den Rückbau von Hausmülldeponien und die Verwertung der heizwertreichen Fraktion.

Wenn es denn stimmt, daß in den Abfällen, die bisher auf Deponien abgelagert worden sind viel nutzbare Energie steckt, die praktisch verschwendet worden ist, dann kann man sie doch einfach herausholen, jetzt, wo endlich die Vernunft gesiegt hat (weil heizwertreiche Abfälle nicht mehr abgeagert werden dürfen!)l.
Der Rückbau von Deponien wird ja schon lange angeboten und diskutiert. Er wurde allerdings in Deutschland nur in Einzelfällen realisiert, und wenn, dann in Form der Umlagerung von Deponiebereichen.

Warum aber eigentlich nicht Totalrückbau von hausmülldeponien? Die für Jahrzehnte nur enorme Geldsummen verschlingenden (Stichwort: Nachsorgekosten) Bedrohungen für künftige Generationen wären beseitigt. Die Menschen in der Nachbarschaft dieser häßlichen und auch noch gefährlichen Müllberge würde endlich beschützt. Die Verbraucher und insbesondere die Verbraucherinnen würden von der Pflicht entlastet, energiereichen Abfall zu produzieren, um die neuen Waste-to-Energy Anlagen auszulasten.

Irgendwie wollen natürlich auch die Deponiebetreiber vom Deponierückbau profitieren. Deponiebetreiber, die sich rechtlich verbindlich zum Rückbau verpflichten, sollten natürlich kein Geld für temporäre Oberflächenabdichtungssysteme gemäß Deponieverordnung ausgeben müssen. Die Reparatur und Erneuerung von Deponieentgasungsanlagen und Sickerwasserbehandlungsanlagen entfiele. Der Bergbau und die Steine und Erden Industrie würde ihre mit Abfällen verfüllten Gelände wieder bekommen. Und es gibt sicher noch weitere Vorteile.

Vielleicht sollte man nicht wieder das Kind mit dem Bade ausschütten und den Deponierückbau für alle Hausmülldeponien verlangen - obwohl das Ziel des Bundesumweltministers: "Ab 2020 soll es keine Deponien mehr geben. Alle Abfälle sollten verwertet werden." das nahe legen würde.
Das Thema sollte schleunigst im Rahmen von Tagungen oder Veröffentlichungen aufgegriffen werden.

Hoffentlich kommt bei den Diskussionen nicht heraus, daß alte Hausmülldeponien gar nicht so umweltgefährlich sind, und daß die Nachsorgekosten durchaus tragbar seien, im Vergleich mit dem Nutzen der Energiegewinnung aus Abfällen. Dadurch könnten am Ende auch wieder die Anforderungen der Abfallablagerungsverordnung an die Zuordnungskriterien in Frage gestellt und herumgenörgelt werden. Und die Mechanisch-biologische Abfallbehandlung (MBA) und die Waste-to-Energy Strategie käme ins wanken. Aber bange machen gilt nicht. Auf geht's. Diskutieren sollte man doch noch dürfen dürfen. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

Ich freue mich über Reaktionen zu dieser MeinerMeinung (Ergänzungen, Korrekturen und Widersprüche (wenn es sein muß) - auch per e-mail: info@deponie-stief.de

Klaus Stief
www.deponie-stief.de , Berlin, den 18. Februar 2005

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