Startseite www.deponie-stief.de DeponieOnline

www.deponie-stief.de

24-Jun-2007

Meine Meinung

Zum Thema
"Auslöseschwellen bei der Grundwasserüberwachung im Bereich von Deponien"

  • Anforderungen in der Deponieverordnung
  • Was steht in der EG Deponierichtlinie?
  • Was tut sich in Deutschland?
  • Veröffentlichungen zum Thema
  • Mein Fazit

Der nächste wichtigeTermin - der offenbar von vielen Deponiebetreibern nicht eingehalten werden wird - ist der 1. August 2005

Was steht in der Deponieverordnung?

In § 25 Übergangsvorschriften der Deponieverordnung heißt es:
(4) Für Deponien oder Langzeitlager, die am 1. August 2002 betrieben werden, sind die Auslöseschwellen nach § 9 Abs. 1 spätestens zum 1. August 2005 nachträglich anzuordnen.

Deponieverordnung § 9 Emissionsüberwachung Abs. 1:
(1) Die zuständige Behörde legt in der Planfeststellung oder Plangenehmigung zur Errichtung einer Deponie der Klasse 0, I, II oder III Auslöseschwellen nach Anhang III Nr. 4 Buchstabe C der Richtlinie 1999/31/EG des Rates vom 26. April 1999 über Abfalldeponien unter Berücksichtigung der jeweiligen hydrologischen und hydrogeologischen Gegebenheiten am Standort der Deponie und der Grundwasserqualität im Grundwasseranstrom fest. Die Auslöseschwellen gelten für geeignete und von der zuständigen Behörde festgelegte Grundwasser-Messstellen im Abstrom der Deponie. Bei der Festlegung der Auslöseschwellen sind die Prüfwerte zur Beurteilung des Wirkungspfades Boden - Grundwasser und die Anwendungsregeln nach § 4 Abs. 5 und Anhang 2 Nr. 3 der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung zu berücksichtigen. Die Auswahl der Parameter sowie die Häufigkeit der Messung richten sich nach Anhang III Nr. 4 Buchstabe B der Richtlinie 1999/31/EG des Rates vom 26. April 1999 über Abfalldeponien.

und weiter heißt es im § 9 DepV:
(2) Der Betreiber einer Deponie der Klasse 0, I, II oder III hat die zuständige Behörde unverzüglich über alle festgestellten nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt zu unterrichten, insbesondere über ein Überschreiten der Auslöseschwellen nach Absatz 1 sowie über Störungen, die zu einer erheblichen Abweichung vom ordnungsgemäßen Deponiebetrieb führen.
(3) Die zuständige Behörde hat im Zulassungsverfahren die Maßnahmen in Abstimmung mit dem Betreiber einer Deponie der Klasse 0, l, II oder III in Maßnahmenplänen nach Anhang III Nr. 4 Buchstabe B Fußnote 3) der Richtlinie 1999/31/EG des Rates vom 26. April 1999 über Abfalldeponien zu beschreiben. Diese sind in das Betriebshandbuch aufzunehmen.
(4) Auf Antrag des Deponiebetreibers kann die zuständige Behörde bei Deponien der Klasse 0 Ausnahmen von den Anforderungen nach den Absätzen 1 bis 3 zulassen.
(5) Die Anforderungen des Immissionsschutzrechts an Anlagen und ihre Überwachung bleiben unberührt.

Was steht nun in der EG Deponierichtlinie?

EG Deponierichtlinie (RICHTLINIE 1999/31/EG DES RATES vom 26. April 1999
über Abfalldeponien) ANHANG III MESS- UND ÜBERWACHUNGSVERFAHREN WÄHREND DES BETRIEBS UND DER NACHSORGEPHASE Nr. 4 Grundwasserschutz lautet:

A. Probenahme
Die Messungen müssen Informationen über das Grundwasser liefern können, das durch die Ablagerung von Abfällen beeinträchtigt werden könnte; mindestens eine Meßstelle sollte sich im Zustrombereich, zwei sollten sich im Abstrombereich der Deponie befinden. Diese Anzahl kann aufgrund besonderer hydrogeologischer Untersuchungen und in den Fällen, in denen die Notwendigkeit besteht, daß Sickerwasserfreisetzungen in das Grundwasser in einem Schadensfall frühzeitig festgestellt werden müssen, erhöht werden.

Proben müssen an mindestens drei Stellen vor dem Beginn der Ablagerung genommen werden, um Referenzwerte für künftige Proben zur Verfügung zu haben. Literaturhinweis: Probenahme — Grundwasser, Dokument ISO 5667, Teil 11 (1993).

B. Messung
Die Parameter, die in den entnommenen Proben analysiert werden, müssen aufgrund der erwarteten Zusammensetzung des Sickerwassers und der Grundwasserqualität in dem Gebiet festgelegt werden. Bei der Auswahl der Parameter für die Analyse ist die Mobilität in der Grundwasserzone zu berücksichtigen. Die Parameter können gegebenenfalls Indikatoren umfassen, damit eine Veränderung der Wasserqualität frühzeitig erkannt werden kann (1).

(1) Empfohlene Parameter: ph-Wert, TOC, Phenole, Schwermetalle, Fluorid, Arsen, Öl/-Kohlenwasserstoffe.

  Betriebsphase Nachsorgephase
Grundwasserspiegel Alle 6 Monate (l) Alle 6 Monate (l)
Zusammensetzung des Grundwassers Standortspezifische
Häufigkeit (2) (3)
Standortspezifische
Häufigkeit (2) (3)

Fußnoten der Tabelle
(1) Bei schwankendem Grundwasserspiegel sind die Messungen häufiger vorzunehmen.
(2) Die Häufigkeit muß so festgelegt werden, daß bei Erreichen einer Auslöseschwelle zwischen zwei Entnahmen Maßnahmen
zur Abhilfe getroffen werden können; die Festlegung der Häufigkeit muß also aufgrund von Kenntnis und Evaluierung der Geschwindigkeit des Grundwasserflusses erfolgen.
(3) Wird eine Auslöseschwelle (vgl. Abschnitt C) erreicht, so ist dies durch Wiederholung der Probenahme zu überprüfen. Wird der Wert bestätigt, so muß entsprechend einem (in der Zulassung festgelegten) Notfallplan verfahren werden.

C. Auslöseschwellen
Bei Grundwasser sollte dann von bedeutsamen umweltschädigenden Auswirkungen im Sinne der Artikel 12 und 13 ausgegangen werden, wenn durch die Analyse einer Grundwasserprobe eine erhebliche Änderung der Wasserqualität nachgewiesen wird. Eine Auslöseschwelle wird unter Berücksichtigung der jeweiligen hydrogeologischen Gegebenheiten am Standort der Deponie und der Grundwasserqualität festgelegt. Die Auslöseschwelle muß in der Zulassung angegeben werden, wenn dies möglich ist. Die Beobachtungen werden mittels Überwachungsdiagrammen mit festgelegten Überwachungsvorschriften und -werten für jeden unterstrom gelegenen Brunnen evaluiert. Die Überwachungswerte werden ausgehend von örtlichen Schwankungen der Grundwasserqualität festgelegt.

Was tut sich in Deutschland hinsichtlich der Festlegung von Auslöseschwellen?

Bayern

Arbeitshilfe 3.6/1 "Auslöseschwellen" des Bayer. LfW, Mai 2005
Zum Thema "Auslöseschwellen bei der Grundwasserüberwachung im Bereich von Deponien" hat Bayern eine Arbeitshilfe herausgebracht. Diese wurde mit Schreiben des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz vom 23.05.2005 an die bayerische Verwaltung sowie an die Deponiebetreiber verteilt.
Öffentlich zugänglich ist die Arbeitshilfe (als pdf-Datei) im Internet-Angebot des Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft wie folgt:
http://www.bayern.de/lfw > Service > Download-Center > Sammlung von Schriftstücken > Schutz von Grundwasser und Boden > 3.6 Gewässerschutz beim Behandeln und Entsorgen von Abfällen > 3.6/1 " Auslöseschwellen bei der Überwachung des Grundwassers im Bereich von Deponien "
Inhaltlich ist die Arbeitshilfe - was die Basisparameter betrifft - an den (sich auf "LAWA 1994" stützenden) Niedersächsischen Leitfaden zur Festlegung von Auslöseschwellen angelehnt. Zusätzlich sind noch die im Dezember veröffentlichten Geringfügigkeitsschwellen der LAWA berücksichtigt.

Niedersachsen

Niedersächsisches Umweltministerium RdErl. 31. 8. 2004, Umsetzung der Deponieverordnung;
Leitfaden mit Arbeitsanleitung zur Festlegung von Auslöseschwellen sowie zur Gestaltung von Maßnahmenplänen (LAsMap) nach § 9 der Deponieverordnung, veröffentlich im Nieders. Ministerialblatt Ausgabe 54, Jg. 29, vom 29.9.2004 S. 571 (Inhaltsverzeichnis des MBl. unter http://www.rechtsvorschriften-niedersachsen.de/mbl/. Das MBl. kann für € 5,00 im Internet bestellt werden.
Der Leitfaden ist im Internet verfügbar unter http://www.umwelt.niedersachsen.de/

Veröffentlichungen

In - relativ wenigen - Veröffentlichungen wird auf das Thema "Auslöseschwellen bei Deponien hingewiesen:

Braun , Reiner
Grundwassermonitoring auf Deponien.
In: Matthias Kühle-Weidemeier (Hrsg.): Praxistagung Deponie 2005 - Schließung, Sanierung, Nachsorge, Nachnutzung. Tagungsband 7. und 8. Dezember 2004, Cullivier Verlag, ISBN 3-86537-284-8
Aufgrund der Anforderungen in der Deponieverordnung ergeben sich bis zum 1.August 2005 neue Vorgehensweisen im Hinblick auf das Grundwassermonitoring von Deponien. B
Im der Veröffentlichung wird auf Details zur Festlegung von Auslöseschwellen besonders eingegangen.
Es sei unbedingt wichtig, auch den Grundwasserstand als Auslöseschwelle festzulegen. Hiermit würde gewährleistet, dass der Grenzabstand von 1 m zwischen Deponiebasis und Grundwasser eingehalten wird. Hierzu sind je nach den örtlichen Verhältnissen Grundwassermessstellen in der Nähe der Tiefpunkte zu errichten, damit das Wasser im Auslösefall auch schnell abgesenkt werden kann.
Manuskript ist als pdf-Datei verfügbar

Bachmann, M.
Deponienachsorge in der Praxis - Auslöseschwellen Grundwasser und abzuleitende Maßnahmen
In: Bio- und Restabfallbehandlung IX biologisch - mechanisch - thermisch. Hrsg. K. Wiemer, M. Kern. Witzenhausen 2005 (Witzenhausen-Institut. Neues aus Forschung und Praxis) ISBN 3-928673-45-9. Seiten 159 - 169
Der Beitrag zeigt, am Beispiel der Vorgehensweise des niedersächsischen Leitfadens wie problematisch die Festlegung der Auslöseschwellen selbst bei unkomplizierten hydrogeologischen Verhältnissen sein kann.

Mein Fazit:
Es wird Zeit sehr verehrte Deponiebetreiber. Die Nichteinhaltung von Terminen ist eine Ordnungswidrigkeit. Ingenieurbüros sind bereit zu helfen.
Aber vielleicht ist es billiger Ordnungsstrafen zu bezahlen, als die Anforderungen zu erfüllen.

Und noch einmal zur Erinnerung:
In § 25 Übergangsvorschriften der Deponieverordnung heißt es:
(4) Für Deponien oder Langzeitlager, die am 1. August 2002 betrieben werden, sind die Auslöseschwellen nach § 9 Abs. 1 spätestens zum 1. August 2005 nachträglich anzuordnen.

D. h.: Auch für Deponien, bei denen per 31.5. 2005 die Ablagerungsphase beendet worden ist, sind Auslöseschwellen festzulegen.

Copyright © 2015 www.deponie-stief.de - email: info@deponie-stief.de Fax: 030 72320580. Mobil: 0170 5301616