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Meine Meinung

Deponien schließen - Schätze aus dem Abfall heben

Meine Meinung zum Editorial in MuA 4/2008 von Peter Hoffmeyer, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungswirtschaft e.V. (BDE) und Vorsitzender der Nehlsen AG

Ich kommentiere hier nur die Texte, in denen der BDE-Präsident Bezug auf die "gefährlichen Deponien" nimmt, um dann die neuen Wohltaten der Deutschen Entsorgungswirtschaft lobend hervorzuheben. Hätten wir, Bund und Länder, nicht die TA Siedlungsabfall erarbeitet (die bereits 1993 in Kraft getreten war) - mit den besonderen Anforderungen an Deponien - würde die Deutsche Entsorgungswirtschaft immer noch "gefährliche" Deponien betreiben, möglichst am unteren Rand des Standes der Technik.

"... Der Klimawandel bedroht unsere Zukunft. Der wichtigsten Grund, die Hände nicht in den Schoß zu legen und auch den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Ein weiterer richtiger Schritt in die richtige Richtung ist die Schließung sämtlicher Deponien."

Man sollte den BDE-Präsidenten an den letzten Satz erinnern, wenn die Entsorgungswirtschaft nach Deponien der Klasse 0 (Bodenaushubdeponien) oder Klasse I (Bauschuttdeponien) sucht und ruft.

"Gefahr Deponie

Deponien bilden Methangas, ein klimarelevantes Treibhausgas, und emittieren gefährliche Stoffe in das Grundwasser oder in die Luft. Geschlossene Deponien müssen gesichert, überwacht und rekultiviert werden. Es entstehen in aller Regel hohe Folgekosten. Allein die Sanierung der Altdeponie Münchehagen kostete weit mehr als 200 Millionen Euro."

Nicht Deponien bilden Methangas, sondern Methan ist ein Produkt des mikrobiellen Abbaus von biologisch abbaubaren Abfällen, die in insbesondere in Hausmülldeponien - auch von der Entsorgungswirtschaft - abgelagert wurden. Aus Deponien, die entsprechend den geltenden Vorschriften gebaut und betrieben wurden, werden - auch keine gefährlichen Stoffe ins Grundwasser emittiert, weil schadstoffbelastetes Sickerwasser an der Deponiebasis gefaßt und aufwendig gereinigt wird. Alle Kosten, auch die Folgekosten sollten in den Deponiekosten enthalten sein.

Der Bezug zur stillgelegten Sonderabfalldeponie Münchehagen - die von einer privaten Sonderabfallentsorgungsgesellschaft betrieben wurde - ist hier völlig fehl am Platz. Die Deponiebetreiber haben dioxinhaltiges Sickerwasser in unverantwortlicher, ja krimineller Weise in ein naheliegendes Wäldchen gepumpt wurde, um Entsorgungskosten zu sparen, die dann letzten Endes vom Steuerzahler nachgezahlt wurden. Insgesamt sind die hohen Kosten für die Sicherung der Sonderabfalldeponie Münchehagen auch für die ansich unnötige Dichtwand verursacht worden. Insgesamt war aber "Münchehagen" sicher kein Glanzstück der Entsorgungswirtschaft.

"Klimaschutz durch Deponieschließung

2005 wurden im Rahmen der ... (TASI) viele Deponien geschlossen. Die deutsche Entsorgungswirtschaft bereitete sich auf diesen Termin vor. In den letzten Jahren wurden über 18 Milliarden Euro investiert. Es gibt seitdem viele Gewinner. Durch die Umsetzung der TASI werden jährlich 50 Millionen Kohlendioxid eingespart. Zum Vergleich: Um die Klimaerwärmung in verträglichen Grenzen zu halten, dürfte jeder Mensch im Schnitt nur drei Tonnen CO2 pro Jahr verursachen. Oder anders ausgedrückt: Alleine durch den Rückgang der Deponiegase wie Methan trägt die Entsorgungswirtschaft zu über zehn Prozent zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele bei."

Was wäre der Klimaschutz ohne die guten alten Hausmülldeponien? Was wäre der Klimaschutz ohne die Standhaftigkeit der Entsorgungswirtschaft Stand der Technik zur Entgasung von Deponien und zur Verwertung von Deponiegas zu ignorieren? Was schon vorher bekannt war, wurde in der TASI, die bereits 1993 in Kraft getreten ist, gefordert: die Entgasung und die Deponiegasverwertung. Die Entsorgungswirtschaft hat das zum Nachteil des Klimaschutzes und der Hersteller von Entgasungs- und Deponiegasverwertungsanlagen vielfach ignoriert. Bereits seit 1993 wurde in der TASI auch gefordert, biologisch abbaubare Abfälle nicht mehr abzulagern - leider mit einer Übergangszeit von 12 !! Jahren, die von der Entsorgungswirtschaft weidlich ausgeschöpft wurde. Deshalb könnte man auch schreiben: "Alleine durch die Verweigerung der Fassung und Verwertung der Deponiegase wie Methan trug die Entsorgungswirtschaft zur Verschlechterung des globalen Klimas bei."

Übrigens: Das so schädliche Methan im Deponiegas ist im Biogas eine wertvolle alternative Energiequelle, obwohl es auch nur CH4 ist. Wir hätten wohl doch besser von "Bioreaktordeponien" statt von "Hausmülldeponien" sprechen sollen. Übrigens sind vielfältigen Anregungen durch sogenannte "Rottedeponien", die Methanproduktion zu reduzieren - nicht nur - von der Deutschen Entsorgungswirtschaft negiert worden.

Vermißt habe ich, daß die deutsche Entsorgungswirtschaft zukünftig die Schätze aus dem Abfall heben will, die in den vielen Deponien lagern und nur darauf warten verwertet zu werden. Eigentlich müßte das doch eine kostenneutrale Sache sein. Und als besonderer Nebeneffekt stünden dann auch die wieder leeren Kiesgruben, Tongruben, Tagebaue - die von der Deutschen Entsorgungswirtschaft gerne genutzt wurden - für eine Nutzung zur Verfügung. Nur Mut!

Die Teile des Beitrags von Präsident Hoffmeyer, in denen natürlich auf die Bedeutung der deutschen Entsorgungswirtschaft hingewiesen wird, insbesondere auch darauf, daß die Umsätze enorm gestiegen sind und die Beschäftigungszahlen, werden hier nicht kommentiert. Nur soviel: Nicht geschrieben wurde, wer die Gewinne bezahlt.

Um nicht mißverstanden zu werden: Es war höchste Zeit, daß die Zeit der Hausmülldeponien zu Ende gegangen ist - so sicher und umweltverträglich sie auch waren oder sein konnten. Es wurde zulange verkannt, daß die Gesellschaft nicht bereit ist, auf Dinge (Abfälle) ewig aufzupassen, die sie endgültig loswerden wollte und dafür auch noch Geld zu bezahlen. Insofern wäre die Abfallverbrennung (mit Schlackeverglasung) die richtige Entscheidung gewesen. Die Emissionen - gut oder schlecht - sind nicht mehr einzufangen - sie sind verteilt - , und durch die Verwertung der verglasten Schlacke kann kein Schaden angerichtet werden. Allerdings hätte man auch bei diesem Vorgehen Deponien gebraucht - allerdings Untertagedeponien für die nun wirklich gefährlichen Rauchgasreinigungsrückstände.

Nun gut, wir versuchen es wieder einmal etwas umständlicher, nicht zuletzt, weil es umweltpolitisch attraktiver erscheint. Hoffen wir, daß es dem Weltklima hilft, wenn von 80.000.000 Menschen in Deutschland keine biologisch abbaubaren Abfälle mehr abgelagert werden. 80.000.000 von 6.000.000.000 Menschen, das sind immerhin 0,013 %. Das muß doch helfen.

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