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08-Jan-2012

Meine Meinung

Strategie zum Umgang mit Altdeponien

Meine Meinung
zum Beitrag Strategie zum Umgang mit Altdeponien

Stegmann, Bidlingmaier, Bilitewski, Collins, Doedens, Ehrig, Freding, Fricke, Grüneklee, Heyer, Lechner, Müller, Rettenberger, Ritzkowski, Soyez, Urban
im Müllhandbuch, Kennziffer 4515, Lfg. 5/2001

Originaltext

Meine Meinung

4.4 Sickerwasserbehandlung

4.4 Sickerwasserbehandlung

Sickerwässer aus Deponien, die schon über Jahrzehnte abgeschlossen sind und/oder durch Belüftung in situ stabilisiert wurden oder aber mit mechanisch-biologisch vorbehandelten Abfälle beschickt wurden, weisen Belastungen auf, die eine Behandlung im Wesentlichen bezüglich des CSB und der Stickstoffgehalte, ggf. auch bezüglich des AOX, erforderlich machen.

kein Kommentar

Es stellte sich die Frage, ob nun eine umfangreiche Sickerwasserreinigung Jahrzehnte nach Abschluß der Deponie auf Dauer betrieben werden muß. Dabei ist der Einsatz biologischer Systeme auch ohne große Kosten und signifikanten Betriebsaufwand denkbar, so daß die Stickstoff- und ggf. die AOX-Konzentrationen auf die Einleiterwerte reduziert werden können. Bezüglich der Einhaltung des CSB-Grenzwertes müsste jedoch eine chemisch-physikalische Behandlung erfolgen, die in der Regel teuer und wartungsintensiv ist. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Einhaltung der Grenzwerte von 200 bzw. 400 mg CSB/l (bei Indirekteinleitung) kritisch zu betrachten. Hier könnten bei bestimmten Szenarien etwas höhere Konzentrationen zugelassen werden, um den langfristigen Reinigungsaufwand zu reduzieren. Dieses ist insbesondere unter Berücksichtigung der geringen Frachten infolge der sehr weitgehenden Sickerwasserminimierung durch die alternativen Oberflächenabdeckungen vertretbar. Die zusätzliche Umweltbelastung für den Wasserpfad muß jedoch "akzeptabel" sein, d.h. keine negative Auswirkungen auf die Qualität des aufnehmenden Gewässers haben.

Das sehen viele andere Experten so ähnlich.

Aber die ATV Arbeitsgruppe 7.2.26 "Sickerwässer aus Industri- und Sonderabfalldeponien" des ATV-Fachausschusses 7.2 (Industrieabwasser mit organischen Inhaltsstoffen) hat nun einmal im Jahre 1988 herausgefunden: "Industri- und Sonderabfalldeponien unterscheiden sich im Sickerwasser generell nicht von Hausmülldeponien". Als Folge ist Deponiesickerwasser aus Hausmülldeponien als gefährliches Abwasser eingestuft worden, obwohl vielleicht eher beabsichtigt war Sickerwasser aus Sinderabfalldeponien auch als nicht gefährliches Abwasser zu bewerten.

Die Autoren sollten sich an die ATV wenden und eine neue Arbeitsgruppe beantragen um die Qualität bzw. Gefährlichkeit von Sickerwasser aus Deponien neu zu beurteilen. Vielleciht kann man auch vorher eine Meinungsäußerung der Mitglieder der damaligen Arbeitsgruppe einholen. Mitglieder waren: Ehrig, Endell, Hilger, Klockner, Rüffer, Schulz, Weisbrodt, weitzel (Obmann).

Die Autoren sollten sich aber auch an das Umweltbundesamt wenden, insbesondere an den Fachbereich II Umwelt und Gesundheit: Wasser-, Boden-, Lufthygiene, Ökologie, Fachbereichsleiter Erster Direktor und Prof. Dipl.-Ing. Werner Schenkel, e-mail: werner.schenkel@uba.de, und eine Initiative zur Änderung des Anhang 51 der RahmenAbwVwV anregen.

Die Diskussion über den CSB als Grenzwert ist so alt wie der 51. Anhang. Es stellt sich dabei immer die Frage, woraus der CSB besteht und ob die Elimination der organischen Reststoffe auf 200 bzw. 400 mg/l unbedingt erforderlich ist. Dabei kann davon ausgegangen werden, daß der Rest-CSB zu großen Teilen aus humin- und fulvoähnlichen Säuren besteht, wie sie in ähnlicher Forma auch in der Natur vorkommen [8].

Siehe Meine Meinung zum vorigen Abschnitt.

Die Autoren müssen sich an die Zuständigen für die gesetzlichen Regelungen im Bereich Wasserwirtschaft wenden.

Vielleicht wäre das noch nützlicher und zielführender als sich immer wieder um den Verzicht auf eine dichte Oberflächenabdichtung zu streiten. Oder haben sie das schon getan? Wann? Wo? Online verfügbar?

Gerade vor dem Hintergrund der Ressourcenschonung und Energieeinsparung sollte die Forderung nach einer separaten und aufwendigen Sickerwasserreinigung an vielen Altdeponien überdacht werden. Der Materialaufwand zum Bau und Betrieb sowie der u. U. erforderliche Betriebsmitteleinsatz sind nicht zu vernachlässigen. Bei der separaten Reinigung entstehen in der Regel Reststoffe, die wiederum kostenintensiv entsorgt oder weiterbehandelt werden müssen (beladene Aktivkohle, Konzentrate aus Membrantrennverfahren, Granulate aus der Trocknung etc.). Der Energiebedarf ist ferner mit einem Verbrauch von primären Ressourcen und der Freisetzung weiterer Emissionen verbunden.

Meine Meinung:
wie zu den beiden vorherigen Abschnitten:
Wenden Sie sich in dieser Angelegenheit an das Umweltbundeamt FB II, an das BMU WA I.

Außerdem: Die Anfordrungen an die Sickerwasserbehandlung treibt natürlich die Nachsorgekosten bzw. die Sicherheitsleistungen in die Höhe. Und vor dem Hintergrund, daß die zuständigen Behörden überhaupt nichts dabei finden, daß an der Basis nicht abgedichtete Deponien betrieben werden, erscheinen die Anfordrungen an die Sickerwasserbehandlung nach Stillegung und Abschluß von Deponien unverhältnismäßig - unabhängig davon wie der Streit um Abdeckung oder Abdichtung nun ausgehen wird.

Schließlich sind auch wirtschaftliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen: für eine separate Sickerwasserreinigungsanlage sind Investitionskosten und beträchtliche jährliche Betriebskosten notwendig. Diese können sich bei jahrzehntelangem Betrieb zu sehr hohen Werten aufsummieren. Eine separate Sickerwasserreinigungsanlage würde zudem für eine Sickerwassermenge und eine Sickerwasserbelastung bemessen, die zukünftig deutlich unterschritten werden kann. Dann wäre die Anlage quasi überdimensioniert und würde bezogen auf die Reinigungsleistung (Menge und Fracht) deutlich höhere Kosten verursachen.

Die Aufstellung einer Gesamtökologischen Bilanz schein ja in Mode zu kommen (siehe auch die Stoffflußanalyse als neue Instrument der abfallrechtlichen Beurteilung der Umweltverträglichkeit von Entsorgungsmaßnahmen in NRW.) Ist nicht das Life Cycle Assessment so etwas ähnliches. Aber Achtung: Ich bin mir nicht sicher, ob die MBA am Ende dem neuen gesamtökologischen Bewertungsverfahren zum Opfer fällt.

Es gilt deshalb, für Altdeponien und Altablagerungen Sickerwasserrichtwerte festzulegen, die für einige Parameter oberhalb des 51. Anhangs liegen. Bei Einhaltung dieser Richtwerte sollte über eine Gefährdungsabschätzung der Umfang der weiteren Behandlung in dem oben beschrieben Sinn festgelegt werden (naturnahe selbstregelnde Systeme, Einleitung in die Kanalisation etc.).

Ja, ja, ja: unternehmt doch mal etwas. Auch Dir und Prof. Dr. Hahn, Abteilungsleiter III 3 Abfall- und Abwasserwirtschaft wäre ein Ansprechpartner, da er erheblich zu den Anforderungen im Anhang 51 beigetragen hat. Selbstregelnde Systeme (Abwaserreinigung mit Binsen) waren ihm, wenn ich mich recht erinnere, immer suspekt.

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