Ihre Meinungen zu Meiner Meinung
Zu meiner Meinung zu tonmineralischen Abdichtungen für Deponien und Altlasten haben sich einige Experten geäußert. Was sie zu sagen haben, können Sie selbst lesen und bewerten.
Lesen Sie die Meinung von Prof. Schulz und Dipl.-Ing Schmid als
htm-Datei oder
pdf-Datei
(09-Okt-2001)
nachdem ich Ihren Artikel 'Meine Meinung'- zur Eignung tonmineralischer Abdichtungen gelesen habe und ebenfalls in Karlsruhe letzte Woche die ganzen Aussagen dazu gehört habe möchte ich Sie auf folgende Punkte hinweisen:
Aus Gesprächen mit Prof. Horn (Kiel) wird klar, daß man sich im Deponiebau nicht unbedingt an die Vorschriften / Einbaubedingungen des Straßenbaus halten muß / sollte! Ich meine damit den herkömmlichen Einbau von mineralischen Erdstoffen auf dem naßen Ast der Proctorkurve. Horn empfiehlt sehr den Einbau auf dem trockenen Ast! D. h. die mineralischen Schichten werden mit einer ' Vorspannung' eingebaut die mindestens so groß sein sollte wie die maximal zu erwartenden Saugspannungen. Für den Baubetrieb bedeutet das natürlich eine Umstellung der Einbauverfahren. Jedoch wurden in den letzten Jahren gerade in Schleswig-Holstein schon mehrere dieser OADs eingebaut. Als Kontaktperson empfiehlt sich hierzu Prof. Horn. Er war und ist dort öfters als Fremdgutachter zu Gange.
Unter diesem Gesichtspunkt müssen nun, denke ich, die Entwicklungen bei den beispielhaft genannten Deponien mit 'kaputter' mineralischer Dichtung anders bewertet werden. Wie wurden die Erdstoffe eingebracht und verdichtet?! Ist deren Versagen nicht logisch?!
So, das nur als kleiner Hinweis. ich bedanke mich im Voraus für die
freundliche Kenntnisnahme.
Dipl.-Ing. R. Zeh e-mail: rainer.zeh@bauing.uni-weimar.de
Die Aussagen gelten meiner Meinung nach nur für die meisten tonmineralischen Abdichtungen mit sehr hohen Tongehalten (natürlicher Ton oder Lehm), nicht aber für mineralische Abdichtungen die die Anforderungen nach Anh. E (20 % Tonfraktion, davon 10% Tonmineral) gerade so einhalten (künstliche gemischtkörnige Abdichtungen wie Bentokies oder DYWIDAG-Trockendichtung oder künstliche bindige Abdichtungen wie Trisoplast -hier ist allerdings der Tonanteil geringer). Nicht Anh. E und die TASi-Anforderungen müssen geändert werden sondern es dürfen nur noch gegen Austrocknung resistente Materialien Verwendung finden. Und wenn der billige Ton von nebenan nicht diese Eigenschaft hat, dann muss die Dichtung eben aus teureren, nach Rezepturen hergestellten Materialien gebaut werden. Hier sollte die TASi ergänzt werden. Die Bayern haben aber auch nachgewiesen, dass Abdichtungen aus natürlichen Materialien noch nach vielen Jahren in Ordnung waren (Bericht über Ausgrabungen, Fr. Hämmerle bei LGA-Seminar in Nürnberg).
Dipl.-Ing. Bothmann e-mail: Peter.Bothmann@lfuka.lfu.bwl.de
Vielen Dank für Ihre Meinungsäußerung, der ich in vielen Punkten zustimme. Auch der Beitrag von Mellies, Gartung & Kress in der Geotechnik (3/2000) ist in dieser Hinsicht bemerkenswert.
Aber lesen Sie doch meine ausführliche Stellungnahme, als pdf-Datei 15K .
Dr. Melchior, Beratender Ingenieur und Bodenkundler, e-mail: me.s@gmx.de
Gestatten Sie mir eine (meine) Meinung zu Ihrer Rubrik "Meine Meinung".
Die derzeitige (zumindest in einigen Fällen) auf Mutmaßungen und ungenügenden Informationen über die konkreten Randbedingungen einzelner Projekte basierende Diskussion nach dem Motto "Mineralische Oberflächenabdichtungen sind nach derzeitigen Erfahrungen ungeeignet" erinnert mich (leider) sehr an die vorschnelle Diskussion und Festlegung der Kombinationsdichtung als Standardabdichtung für Oberflächenabdichtungen Anfang der 90iger Jahre nach dem Motto "Was unten gut ist, kann oben nur besser sein". Die daraus resultierenden Folgen können rückblickend doch wohl nur als "besonderes Erfolgserlebnis" bundesdeutscher Abfallwirtschaftspolitik (und sicherlich nicht als "Exportschlager") bezeichnet werden.
Ein jeder, der heute mit wieder mit derartigen pauschalen Äußerungen (s.o.) an die Öffentlichkeit geht, sollte sich allerdings vor Augen halten, welche Ziele er wirklich verfolgt ("bzw. vor welchen Karren er gespannt wird"). Daß technische Lösungen nicht (wie politische Lösungen) per Mehrheitsbescheid herbeigeführt werden (von welcher Seite kommt denn diesmal der Beifall?), sondern vielmehr individuell erarbeitete Einzelleistungen darstellen (sollten), die den spezifischen Standortbedingungen in konstruktiver, ökonomischer und ökologischer Hinsicht jeweils zu genügen haben, sei nur am Rande erwähnt. Vorschnelle Meinungsmache hilft da sicherlich am wenigsten.
Wie immer mit vielen Grüßen aus Aachen
Ihr Ernst Biener
Aachen, den 23. November 2000
Prof. Dr.-Ing. Ernst Biener, Umtec Prof. Biener, Sasse und Partner GbR
e-mail: umtecAC@umtec-gbr.de
Sehr geehrter Herr Stief,
zu dem Artikel auf Ihrer Homepage vom 11.11.2000 "Wirksamkeit von tonmineralischen Abdichtungsschichten" erlauben wir uns folgende Anmerkungen. Wir bitten Sie, einen entsprechenden Link in Ihrer Homepage aufzunehmen.
Die tonmineralische Abdichtung auf der Deponie Karlsruhe-West wurde streng nach den Anforderungen des Anhanges E der TA-Abfall erstellt und war wesentliches Element der Genehmigung.
Eine alleinige Kapillarsperre ist auch derzeit (siehe LAGA-Arbeitspapiere vom 08./09.02.2000) bei einer Hausmülldeponie noch nicht genehmigungsfähig. Als er-gänzendes Dichtelement zur Kapillarsperre schieden KDB und Bentonitabdichtungen aus (Standsicherheit bei Pegelneigungen von 1 : 2,3), so daß die tonmineralische Abdichtung ausgewählt wurde.
Diese dient u. a. als "Deponiegasdichtung".
Auch wenn sich auf der Deponie Karlsruhe-West nach zwei bis drei Jahren zeigte, daß die Wasserdurchlässigkeit der tonmineralischen Abdichtungskomponente deut-lich zunahm, so ist die tonmineralische Abdichtungskomponente auf der Deponie Karlsruhe-West derzeit unverzichtbar.
Hydraulische Spitzen werden so gefedert, daß die Kapillarsperre überhaupt so leistungsfähig sein kann.
In Ihrer Homepage entsteht der Eindruck, daß die tonmineralische Abdichtung auf der Deponie Karlsruhe-West praktisch nutzlos sei. Dies ist allerdings nicht so, wie Sie den obigen Ausführungen entnehmen können.
Wir erlauben uns eine weitere Anmerkung:
Zischak (AGK 1997) hat für die Erhöhung der hydraulischen Durchlässigkeit der tonmineralischen Abdichtung nicht die Austrockung als Ursache festgestellt.
INGENIEURBÜRO ROTH & PARTNER GMBH
Karlsruhe, den 06.12.2000
Johann Roth Helmut Schwarzmüller
e-mail: irpka@swol.de
Prof. Dr. Rainer Horn, Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Universität Kiel
Professor Horn teilt nicht die Meinung, daß tonmineralische Dichtungsschichten für Deponieoberflächenabdichtungen ungeeignet sind.
In einer Veröffentlichung, die in Wasser und Abfall erscheinen wird und einer weiteren längeren Ausführung, die jetzt in Z.Kulturtechnik und Landentwicklung eingereicht wird, stellt Horn et.al. dar, warum er tonmineralische Abdichtungsschichten durchaus für geeignet hält.
Prof. Horn schreibt in einer e-mail an K. Stief u.a. :
Ich halte die früheren einseitigen Betrachtungen aus den verschiednen Instituten für nicht sehr gut, deshalb haben wir noch einmal die in vielen Untersuchungen in Kiel auch in Publikationen dokumentierten Ergebnisse jetzt mal anders zusammengefaßt.
Es mutet manchmal schon komisch an, wenn die einfachsten bodenphysikalischen Grundlagen, seit Jahrzehnten bekannt und publiziert, dann doch nicht berücksichtigt werden.
Stellen Sie die beiden Abschnitte [Fazit und Ausblick aus der geplanten Veröffentlichung "Deponieabdichtungen aus mineralischem Material -
eine undurchlässige Langzeitperspektive?"]gerne als Kieler Meinung in Ihre Homepage und verwenden Sie sie für Ihre Betrachtungen - dann wird sie auf jeden Fall gelesen.
Grundsätzlich bin ich auch bereit auf entsprechenden Tagungen über weitere Ergebnisse auch über die Fremdüberwachung einer Deponieabdichtung nach unseren Vorstellungen zu berichten.
Viele Grüße aus Kiel sendet
Ihnen Ihr R. Horn
Auszug aus der dem Manuskript von Prof. Horn
Sehr geehrter Herr Stief, hier meine Meinung.
Ich kann die Aufregung nicht verstehen, die die Veröffentlichungen über die Güte der mineralischer Abdichtungen nach TASi auslösen. Die gefundenen Werte entsprechen der Vorgabe der Richtlinie.
Hierzu folgende Feststellungen:
Der in der TASi geforderte K-Wert ist ein Laborwert, der die Durchlässikeit des Materials ohne Risse beschreibt.
Der Versuch lässt keine Rückschlüsse auf die Durchlässigkeit im Feld zu, weil der Versuch im Labor unter völlig anderen Bedingungen durchgeführt wird.
Die Feldeigenschaften der mineralischen Abdichtung sind in Anhang E der TA Abfall, der auch für die TASi gilt, festgelegt. Aus 1.1 "Mineralisches Dichtmaterial" ist zu entnehmen, dass dieses geringe Rissanfälligkeit aufweisen soll. Oder anders ausgedrückt, es wird mit Rissen gerechnet. Risse sind unumgänglich, wenn man sich an die weiteren Verarbeitungs- und Einbauvorschriften der TASi hält.
Eine mineralische Abdichtung mit Rissen, mit einem Durchlässikeitslaborwertwert des Grundmaterials, entsprechend der Richtlinie, hat im Feld etwa einen Durchlässigkeitswert von K= 5*10^-8m/s bis 10^-7m/s. Diese K-Werte werden durch die Risse bestimmt. Sie werden jetzt, wie erwartet, im Feld gefunden.
Risse kann man vermeiden, wenn die mineralische Abdichtung so aufgebaut ist, dass sie nicht schrumpfen kann. Beispiele sind die Mischbodenabdichtung von Prof. Horn, als Bentokiesdichtung bekannt, oder das Dywidag Mineralgemisch, für das eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des DIBt, Zulassungsnummer Z-68.12-2 vom 20.1.1998, vorhanden ist. Diese mineralischen Abdichtungen haben einen völlig anderen Standard, als eine mineralische Abdichtung nach TASi. Da sie in der Herstellung etwas teurer sind, fanden sie bislang nur vereinzelt Anwendung.
Wie man sieht, ist alles in bester Ordnung und das festgestellte Langzeitverhalten der mineralischen Abdichtung im Rahmen der Mindestvorgaben der Richtlinien. Dass man auch einiges besser machen kann als vorgeschrieben, ist auch wahr, aber eben nicht gefordert. Soweit ersichtlich, wird sich auch in Zukunft an dieser Situation nichts ändern.
Mit freundlichen Grüßen
K. Finsterwalder
(21-Mai-2001)
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